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Der Fall Geppert
"Pelz tragen ist echt deppert!"
Das Leiden von Millionen "Pelztieren"
ist für die Mitglieder von
- Menschen für Tierrechte Bayern seit Jahren ein Grund, gerade
zu diesem Thema immer wieder aktiv zu werden. Auch, wenn es dabei
mal vor den Kadi geht.

Sie sind fester Bestandteil der Aktivitäten von :
die Anti-Pelz-Kampagnen. Schon vor Jahren statteten wir einer Pelzmodenschau
der Allgäuer Festwoche, eine der größten süddeutschen
Verkaufsmessen, einen Besuch ab. Wir mischten uns unter die Zuschauer,
standen gemeinsam auf ein verabredetes Zeichen auf, zogen unsere
Jacken aus und stellten T-Shirts mit verschiedenen Anti-Pelz-Aufschriften
zur Schau. Dieser Auftritt sorgte sichtlich für Unruhe bei
allen Anwesenden.
Im Sommer 1997 arrangierten wir selbst eine Pelzmodenschau, eine,
der etwas anderen Art. In der Kemptener Fußgängerzone
führten unsere "Models", teils schrill herausgeputzte
Aktivisten, zu flotter Musik Pelze auf dem Laufsteg vor. Ihnen folgten
dann aber der "Tod" und zwei "Tierseelen", die
würdevoll die zuvor präsentierten Pelze über den
Laufsteg trugen, begleitet von Chopins Trauermarsch. Nach mehrfacher
Wiederholung lagen am Ende der Aufführung die "Tierseelen"
und der "Tod" auf einem Berg aufgetürmter Felle.
Die Aktion fand großen Anklang und wurde in Bayern von verschiedenen
Vereinen mehrfach inszeniert.
In den darauf folgenden Jahren veranstalteten wir Infostände
mit Filmvorführungen und anderen "Hinguckern". Im
Jahr 2000 entschieden wir uns dann für einen leisen Auftritt
und hielten täglich, zwei Wochen lang, eine Mahnwache ab im
Bereich des Kemptener Pelzgeschäftes Geppert, einem der größten
Bayerns. Der Geschäftsinhaber drohte mit der Polizei und wollte
uns vertreiben, ohne Erfolg natürlich.
Ein weiteres Highlight im Kampf gegen die Pelzindustrie war die
Teilnahme unseres Vereins am örtlichen Faschingsumzug 2001.
Da im Fasching satirische Darstellungsformen ohne Probleme möglich
sind, machten wir unter dem Titel "Bruno und die Allgäuer
Pelzschlampen" auf unser Thema aufmerksam. Ideenreich verkleidet
und ausgestattet mit Transparenten zogen wir durch Kemptens Straßen
und ernteten viel Applaus.
Im September desselben Jahres veranstalteten wir wieder eine Mahnwache,
dieses Mal war eine Modenschau, bei der unter anderem auch das Pelzgeschäft
Geppert seine perverse Mode vorführte, der Anlass. 600 Besucher
konnten hier unsere Plakate lesen:" Pelz tagen ist echt deppert!"
und "Ob Hund, ob Katz, ob Maus - Gepperts machen Jäckchen
draus!". Jetzt lagen die Nerven der Eheleute Geppert offenbar
blank und sie erstatteten Anzeige. Aber auch das gut ein Jahr schwebende
Verfahren hinderte uns nicht daran, weiter über die Fakten
der "Pelzgewinnung" aufzuklären. Auch in der Nähe
des Pelzgeschäftes Geppert verteilten wir weiterhin unsere
Infobroschüren und sorgten mit besagten Transparenten für
Aufmerksamkeit.
Am 30. Oktober diesen Jahres fand nun die Gerichtsverhandlung vor
dem Landgericht München I statt. Das Anliegen des Pelzgeschäftsinhabers
Geppert, uns "das Fell über die Ohren zu ziehen",
fand vor Gericht kein Verständnis. Die Klage wurde in allen
Anklagepunkten (Herabwürdigung der Person und des Namens sowie
Beeinträchtigung des Geschäftsbetriebes des Klägers)
als unbegründet abgewiesen! Dies bedeutet, dass wir nicht nur
die Aussagen "Pelz tragen ist echt deppert" und "Ob
Hund, ob Katz, ob Maus, Gepperts machen Jäckchen 'draus"
weiterhin verwenden dürfen. Auch die Verwendung und Verfremdung
des ungeschützten Schriftzuges des Betriebes Geppert ist uns
weiterhin erlaubt. Die Richter gaben zudem den Klägern sehr
deutlich den Rat, keine Berufung gegen das Urteil einzulegen. Denn
spätestens vor dem Bundesverfassungsgericht würden sie
im Hinblick auf das Grundrecht der freien Meinungsäußerung
erneut verlieren. Dies bedeutet: Pelztragen bleibt auch weiterhin
"deppert"!
Das Urteil freut uns natürlich sehr und macht uns - und hoffentlich
vielen anderen - Mut, sich ausdauernd und unbeirrt mit allen legalen
Mitteln für die Rechte der Tiere einzusetzen - auch, wenn es
mal brenzlig wird.
Wir haben im Winter 2001/2002 - natürlich trotz "schwebendem
Verfahren" und auch in den letzten Wochen wieder Mahnwachen
vor dem Geschäft der Firma Geppert abgehalten.
hat in
den vergangenen Wintersaisonen wieder Mahnwachen vor dem Geschäft
der Firma Geppert abgehalten. Wir erreichten dort wahrscheinlich
nicht so viel Menschen, wie bei der vorangegangenen Mahnwachen vor
dem Kornhaus. Aber gerade die Personen, die das Pelzgeschäft
besuchen, werden auf das Thema aufmerksam.
Zudem zeigen uns diese kleinen wiederholt durchgeführten Aktionen
auch, wie unangenehm (da entsprechende Auswirkungen auf ihr blutiges
Geschäft nicht von der Hand zu weisen sind), diese dem Pelzgeschäft
sind:
Im Januar 2004 rief das Ehepaar Geppert die Polizei aufgrund einer
erneuten Mahnwache zweier Aktiver vor dem Pelzgeschäft. Anscheinend
hatte der herbeigerufene Polizist keine Information über das
Urteil des Landgerichtes München I zugunsten von .
Er meinte – im Auftrag des Ehepaares Geppert – dass
unsere Aktiven das Schild „Ob Hund, ob Katz , ob Maus, Gepperts
machen Jäckchen draus“ nicht verwenden dürften.
Obwohl unsere Aktiven die Polizei über das Urteil informierten,
ließ er sich leider doch beirren und meinte, wir dürften
nicht mit dem Transparent vor Ort stehen. Der Fall ging über
die Staatsanwaltschaft zur Stadt Kempten und wurde vom dortigen
Rechtsamt überprüft. Hier ging es aber nicht mehr um den
Inhalt des Plakates, sondern um das Mitführen eines Plakates
an sich! Nach längerem Hin und Her der Zuständigkeiten
wurde uns endlich mit Schreiben vom 21.07.2004 (!) vom zuständigen
Amt für Verkehrswesen mitgeteilt, dass es sich um eine erlaubnisfreie
Sondernutzung handelt, wenn zwei Mitglieder ggfs. Transparente mit
sich führen!
Von daher war die Aufregung des Ehepaares Gepperts und der hilflose
Versuch, uns vor ihrem Ladengschäft zu vertreiben, ebenfalls
gescheitert!
Margit Brücklmeier 2005
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